Frauen in Marokko

Marokkotagebuch

...Ankunft in Souk Tleta des Akhasass. Name des Ortes bedeutet Markt am dritten Tag, also heute, Dienstag. Souad, Abdeleilah und Hanine werden von ihrem Onkel erkannt, große Begrüßungszeremonie, Pfefferminztee. Kaufen Gemüse und Fleisch. Fünfzehn Kilometer Piste, staubiger Schotterweg durch Arganbäume und Kakteen...

...Die Großmutter erwartet uns schon mit Enkelin – jemand hat uns angekündigt. Lehmhaus mit Flachdach (auf dem wir dann doch nicht schlafen wegen der Skorpione), innen weiß und rosa und türkis, alle Räume und Höfe ineinander verschachtelt, Wasser nur aus der Zisterne unter dem Haus...

...Fotografiere Großmutter, riesige Bersteinkugel um den Hals, Henna auf Handflächen. Putzen Gemüse für Tajine. Pfefferminztee. Kein Foto der Tochter, Mann verbietet es (Mann der Großmutter schon gestorben). Alle lachen und reden durcheinander...

...Keltuma, vier Jahre alt, fürchtet sich vor uns zwei Tage lang. Halsschmuck Hand der Fatima, Schutz vor bösem Blick. Lernt mit Vater arabisches Alphabet von Holztafel, auf zweiter Tafel Koranspruch. Wenn sie das kann, ist ihre Ausbildung beendet, Vater schickt sie nicht zur Schule. Beim Essen schlafen mir die Füße ein, bin so ungeschickt, dass ich Couscous mit dem einzigen Löffel des Hauses essen darf. Wir lachen alle...

...Miinas Schwestern kommen zu Besuch, mit Kindern und Schwiegermutter. Rührt Buttermilch drei Stunden lang. Während die Männer weg sind, darf ich fotografieren. Großer Spaß für alle. Große Freude, Wiedersehen nach drei Jahren. Großes Essen – aber nur für uns. Abdeleilah repariert den einzigen Luxus, einen Gaskühlschrank, war zwei Jahre lang kaputt, und ein kleines krächzendes Radio...

...Foto von kleiner Ziegenhirtin. Am nächsten Tag redet mich unterwegs die Schwester an, auch sie möchte fotografiert werden, heimlich...

...Piste von Taroudannt zweieinhalb Stunden ins Gebirge. Kleiner Sandsturm, taucht aus dem nichts auf und verschwindet wieder, Furt durch Fluss, Durchquerung kurz vor Flut (Gewitter im Gebirge). Im Tal dahinter grüne Maisfelder, Palmen, Maiszeichnungen auf den Lehmhäusern. Onkel begrüßt uns vor seinem Haus. Frau ist gestorben, Neffe kam aus Stadt zurück und übernimmt Hof. Holen Wasser in Tonamphoren am Bewässerungskanal, putzen Gemüse, Souad bäckt Brot am offenen Feuer. Frauen verstecken sich nicht. Kinder bis Dunkelheit wie kichernde Gespenster ums Haus. Riesengroßer Sternenhimmel...

aussi, Arunda Kulturzeitschrift 45, 1997