Fremde Heimat Salzburg

Die Weltbühne Salzburg hat auch eine Hinterbühne: Sie birgt nicht die Freizeitkünstler der Erlebnisgesellschaft auf der Suche nach Urlaubsheimat, auf ihr finden wir Menschen mit Zwangs- oder Zufallsdestination Salzburg – solche, die aus aller Welt vor Folter und politischer Verfolgung, vor ethnischen „Säuberungen“ und vor Krieg, vor wirtschaftlicher oder politischer Perspektivelosigkeit geflüchtet oder auch aus privaten Gründen hierher gekommen sind. Sie haben meist keinen Zugang zu den Lieblichkeiten dieser Stadt, auch nicht zu deren (hoch)kulturellem Leben. Sie bekommen vornehmlich Mauern zu sehen und zu spüren: Gefängnismauern in der Schubhaft, bürokratische Mauern, die eine Aufenthaltsgenehmigung vorenthalten, hinterhöfische Mauern, Vorurteilsmauern in unseren Köpfen.

Diese Publikation schlägt Breschen in solche Mauern. Sie gewähren Einsichten in die vitale Buntheit anderer Kulturen und weisen das unheimlich Fremde als das heimlich Heimische aus. Der Autor Josef Mautner führt Gespräche mit Menschen „anderer“ Herkunft, die seit kurzer Zeit oder auch schon des längeren in Salburg zu Hause sind. Sie erzählen von ihrer ersten Heimat, von ihrer Geschichte und davon, wie sie in Salzburg leben, was sie hier erleben. Die Fotografien von Angelika Kampfer begleiten die Gespräche als selbstständige Aussage, so dass diese Menschen nicht nur über Worte zu uns sprechen, sondern auch durch ihre Gesichter, ihre Erscheinung und ihre Umgebung. Solche Kommunikation vermag gängige Vorurteile aufzulösen – an deren Stelle kann die Erfahrung des bereichernden Reichtums anderer Kulturen treten.

Verlag Anton Pustet, Salzburg – München 1995