Heimat in der Fremde

Einwanderer

Beslan Bjutukajew, aus Tschetschenien

Unser Dorf liegt 45 km von Grosny entfernt. Es hatte 8.000 Einwohner. Jetzt ist es von russischen Soldaten zerstört, es leben vielleicht noch 4.000 Menschen dort.
Mein Vater ist Pensionist, er wurde mit fast 70 Jahren zum Invaliden, ein russischer Soldat hat ihn aus dem Flugzeug angeschossen und er hat ein Bein verloren.
Der erste Krieg war nicht so schrecklich, aber in diesem zweiten Krieg machten sie keinen Unterschied zwischen Kindern, alten Leuten oder Zivilisten, sie schießen und bombardieren alle und alles. Alle haben Angst.
Ich denke zu oft und zu lange an die Heimat, es ist zu schmerzhaft, an die Heimat zu denken. Ich denke an die Eltern, an die Verwandten. Wenn morgen die russischen Soldaten das Land verlassen, gehe ich übermorgen zurück.


Asima Imamović, aus Bosnien

Der schönste Moment in meinem Leben war als wir alle vier lebend über den Wurzenpass kamen, die vielen Lichter unten im Tal sahen und ich wusste: wir sind in Sicherheit.
Ich bin der Familie, die mir bei der Flucht geholfen hat, mein Leben lang dankbar.
Ich war allein mit meinen drei Söhnen, mein Mann war in Bosnien, wir waren 12 Jahre lang getrennt.
Ich habe eine wunderschöne Erinnerung an meine Heimat. Aber so gibt es sie nicht mehr.
Ich wünsche den Leuten dort das Allerbeste, Hoffnung, und unsere Kultur soll wieder wachsen, in Frieden. Und niemals wieder soll es Krieg geben. Ich habe es ja erlebt.


Felix Igboanusi, aus Nigeria

Ich bin ein Angehöriger der Ibo und aktives Mitglied einer Bewegung, die sich für die Unabhängigkeit des Staates Biafra von Nigeria einsetzt. Der Konflikt besteht seit 20 Jahren, wir kämpfen nicht mit Waffen, wir wollen den Dialog.
Informationsveranstaltungen unserer Organisation werden überfallen, viele Menschen werden getötet und sie nehmen aktive Mitglieder gefangen und töten sie, you never find out what happened. Ich hatte Glück und kam gerade noch rechtzeitig weg.
Manche Menschen haben keine Probleme mit uns Schwarzen, andere schon. Ich grüße die Leute und ich werde behandelt as if I committed a crime. But now I get used to it. I am grateful for being here, I feel safe.
Wenn Biafra unabhängig wird, gehe ich morgen zurück.

 

Auswanderer

Tina Brandstätter, Calgary, Kanada

Ich bin in Gedanken immer noch daheim.


John Miklautsch, Milwaukee, USA

Der Vater war von 1923 bis 1939 hier, die Mutter von 1930 bis 1939. Ich bin 1935 in Milwaukee auf die Welt gekommen. Die Eltern sind 1939 zurück gegangen, der Vater hatte Heimweh. Ich bekam 1954 wieder die amerikanische Staatsbürgerschaft, konnte aber kein Englisch. 1956 bin ich nach Milwaukee ausgewandert und habe mich nach drei Monaten freiwillig für zwei Jahre bei der Army verpflichtet. Die Grundausbildung habe ich in Missouri gemacht, dann bin ich nach Nevada in die Wüste, wo sie Atomversuche gemacht haben. An den Wochenenden sind wir nach Las Vegas, die Arbeit und das Essen waren gut. Danach war ich noch in Deutschland, Vietnam und Südkorea stationiert.
Das Veteranenhospital in Milwaukee ist meine Heimat. Alles gratis.


Leo Fischbach, Boca Raton, Florida, USA

In Villach lebten wir in der Klagenfurterstraße 44. Nur die Mitzners spielten mit uns Fußball. Die anderen Nachbarskinder spielten nicht mit uns. Die sagten nicht einmal Hallo zu uns, weil wir jüdisch waren. In meiner Kindheit fühlte ich mich total isoliert. Damals war ich das einzige jüdische Kind im Villacher Gymnasium.